Muzej Gallerion
Novigrad Istra
Lucijan Diminić, ekonomist, pisac

Lucijan Diminic - Autobiographie

Ich, Lucijan Diminić, wurde am 1. Februar 1932 in Sveti Lovreč – Labin in einer Seefahrerfamilie geboren. Dort ging ich auch zur Grundschule. Anschließend absolvierte ich zwei Klassen des italienischen Gymnasiums in Rijeka/Fiume, die erste während des Krieges und die zweite gleich nach dem Krieg.

Mit 15 Jahren begann ich auf unseren kleinen Schiffen aus Sveti Lovrec – Labin-Trabakeln mit etwa 150 bis 200 brt – zur See zu fahren. Meistens transportierten wir Kohle aus Rasa, vom Hafen Brsica im Rasa-Kanal bis nach Rijeka, und so begann meine Seefahrerkarriere.

Nach einigen Jahren auf Trabakeln besuchte ich die Nautische Schule in Bakar, die ich als junger Maschinist verließ. Danach fuhr ich auf Schiffen der „Jadranska slobodna plovidba“ aus Split als der jüngere Maschinist. Mit diesen Schiffen klapperte ich die meisten Häfen im Mittelmeer ab. Danach wurde ich zur Armee eingezogen.

Nach der zweijährigen Militärdienstzeit kam ich nach Hause zurück und wurde anschließend als Maschinist in die Werft „3 Maj“ in Rijeka geschickt, auf das neue in Ausrüstung befindliche 500-t-Schiff, einen Wasserversorger mit dem Namen „Izvor“. Mit ihm fuhr ich dann später zwischen Rijeka und Goli otok (die Gefängnis-Insel für Regimekritiker). Auf dem Schiff verbrachte ich einige Jahre, wir versorgten die Insel mit Wasser, eine Nacht lagen wir in Rijeka und die andere auf der Insel.

Einige Jahre musste ich das Böse an der Insel beobachten (obwohl ich dort weder eingesperrt war, noch die anderen einsperrte), um dann endlich zur Reederei „Kvarnerska plovidba“ aus Umag zu wechseln und auf ihren Schiffen zu fahren, meistens wieder im Mittelmeer. Nach einigen Jahren wurde ich Leitender Ingenieur auf der „Istra“ – einem kleineren Schiff des Maritimen Bezirks (einer höheren Instanz der Hafenkommandantur), das meistens in Rijeka stationiert war.

Weil ich auch die Möglichkeit zum Studium bekam, konnte ich Wirtschaft studieren und arbeitete danach ich in verschiedenen Reedereien und Maritimen Agenturen, um anschließend in die Rente zu gehen.

Ich war immer von der Seefahrt fasziniert. So schrieb ich einige Artikel für die Istrische Zeitung „Jurina i Franina“ und veröffentlichte 2002 das Buch „Sveti Lovrec Labinski i okolica“ (St. Lovrec von Labin mit der Umgebung) über die „maritime Labinstina“. Das Buch kam zur Buchmesse in Pula, wurde dann für die internationale Buchmesse in Leipzig ausgewählt und dort auch vorgestellt.

Zuletzt schrieb ich das Manuskript „Die Entwicklung der Seefahrt an der Ostküste Istriens in der zweiten Hälfte des 19. und der ersten des 20. Jahrhunderts“. Dazu wurde ich vor allem durch den Besuch im Maritimen Museums „Gallerion“ in Novigrad – Istrien angeregt, welches von Herrn Sergio Gobbo auf die Beine gestellt wurde. Dort sah ich viele schöne Ausstellungsstücke, darunter auch Modelle der österreichisch-ungarischen Kriegsschiffe.

Weil ich viel über die im Ersten und insbesondere im Zweiten Weltkrieg gefallenen Seeleute wusste, mehrere von ihnen auch persönlich kannte und um sie trauerte, wollte ich über sie ein Buch schreiben.

Ich fing mit der Schlacht von Lissa 1866 an, wo auch unsere Seeleute beteiligt waren. Danach widmete ich mich beiden österreichisch-ungarischen Polarexpeditionen – von 1872 bis 1874 mit dem Schiff „Admiral Tegetthoff“ Richtung Nordpol und 1882-83 zur Insel Jan Mayen. An beiden nahmen viele unsere Leute teil – damals populär „Quarnerioli“ genannt.

Die Entwicklung der Seefahrt in verschiedenen Epochen

Die Geschichte der Seefahrt im Mittelmeer kann man grob auf die Antike, die Zeit vor der Entdeckung Amerikas und die danach einteilen. In der zweiten Hälfte des 19. Jh. und im frühen 20. Jh. gab es große geschichtliche und technische Veränderungen, vor allem in der Seefahrt. Die Segelschiffe begannen langsam von der Ozeanen zu verschwinden und wurden durch die ersten Dampfer ersetzt. Im Jahre 1869 wurde der Suez-Kanal eröffnet, welcher dem Mittelmeer erneut die große Bedeutung von früher verlieh; so fuhren die Dampfer durch das Mittelmeer zum Mittleren und Fernen Osten und mussten nicht mehr den Umweg um Afrika herum nehmen. Auch an der Adria - als einen tiefen Einschnitt in die europäische Landmasse - entwickelte sich der Seeverkehr rasant. Am nördlichen Ende der Adria lief der maritime Handel mit dem europäischen Hinterland über die wichtigsten Häfen der k. u. k. Monarchie, Triest und Fiume (Rijeka). Die beiden wurden auch durch Eisenbahn mit dem Hinterland verbunden, Triest 1857 mit Wien und Rijeka 1873 mit Budapest.

Weil Dampfschiffe und Lokomotiven Kohle benötigten, welche es im Mittelmeer in der Nähe zum Meer nur in Rasa, in Labinstina an der Istriens Ostküste gab, wurde diese Kohle zur treibenden Kraft für den Wachstum der Seefahrt in diesem Teil Istriens (südöstliche Labinstina und Plomistina) und die Menschen versuchten ihre Existenz in der Seefahrt aufzubauen.

Die Seeleute kauften kleine Trabakel, um auf ihnen zur See zu fahren, viele fuhren auch auf den Schiffen der Übersee-Reedereien aus Triest und Fiume. Zu einem gewissen Zeitpunkt vor dem Zweiten Weltkrieg gab es in Labinstina, Plominstina und Brsecina keine einzige Familie, wo jemand nicht eingeschifft war; so lebte die ganze Gegend von der Seefahrt.

1939 begann der Zweite Weltkrieg. In sechs Kriegsjahren starben viele Seeleute und alle Trabakel von der Ostküste Istriens wurden versenkt, inklusive Schiffe von den Inseln Cres und Losinj, insgesamt 50 Küstenmotorschiffe zwischen 150 und 350 brt. Im Zweiten Weltkrieg starben auf allen Weltmeeren, vor allem im Mittelmeer, über 400 Seeleute aus unserer Gegend. Bisher wurden sie in unserer Literatur mit keiner Silbe erwähnt und ihre „Gräber“ sind auf den Weiten des Meeres verstreut.

Ich gab mir Mühe, forschte mehrere Jahre und versuchte ihre Schicksale zu ergründen und aufzuschreiben. Dazu wand ich mich an maritime Museen in Triest und anderswo, sowie an das Ministerium der Handelsmarine in Rom, von wo ich dann die meisten Daten erhielt. Sie umfassten Namen von allen versenkten Schiffe der Handelsmarine, Namen und Vornamen vom jeden einzelnen Seemann der auf See blieb, sowie sein Posten auf dem Schiff. So entdeckte ich, dass schon 1940 etwa 40 Seeleute aus unserer Gegend ums Leben kamen. In sechs Kriegsjahren waren es dann insgesamt 400. Bisher wurden sie bei uns weder namentlich erwähnt noch aufgelistet, bis ich mein Manuskript „Die Seefahrt an der Ostküste Istriens“ schrieb. Diese armen Menschen haben keinen Grabstein, ihre Knochen sind auf dem Grund der Weltmeere verstreut, sie haben es aber verdient in einer geschichtlichen Abhandlung einzeln beschrieben zu werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen erneut viele unserer jungen Leute zur See, mehrere absolvieren mittlere nautische Schulen in Bakar und Mali Losinj, viele auch höhere nautische Schulen in Rijeka und Piran. In der zweiten Hälfte des 20. Jh. kamen aus unserer Gegend viele Seeoffiziere des nautischen und des maschinellen Berufszweigs, dazu gab es mehrere Kapitäne weiter Fahrt und Leitende Ingenieure. Ein Drittel der im Zweiten Weltkrieg versenkten Trabakel wurde gehoben und repariert, so fuhren andere Seeleute aus unserer Gegend auf der gleichen Trabakeln wie vor dem Krieg.

Noch vor dem Ende des 20. Jh. beendeten viele Kapitäne und Ingenieure ihre Karriere bei der Handelsmarine, täglich wurden es weiniger, um in der ersten Dekade des 21. Jh. fast völlig zu verschwinden. Es gibt noch ein Paar jüngere Kapitäne, Maschinisten und Funker in Rijeka und Pula. Ihre Eltern stammen aus unserer Gegend, aber sie fahren auf fremden Schiffen und unter fremden Flaggen, weil unsere Reedereien verschwunden sind.

Und zum Schluss: in unserer Gegend, wo es früher kein Haus ohne einen Seemann gab und wo man von der Seefahrt lebte, gibt es heute keinen Seemann mehr – keinen einzigen!

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